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PolarNEWS Magazin - 26 - CH

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Die Reise:

Die Reise: Spitzbergen-Umrundung mit Kvitøya Wann: 14. – 30. August 2017 Ort: Svalbard Schiff: M/V «Plancius» Passagiere: 103, davon 21 PolarNEWS-Gäste Staff: 9 Staff, 37 Crew Text und Bilder: Michael Wenger Besucht man den Svalbard-Archipel, um die arktische Vielfalt zu erleben, bieten sich die Umrundungs-Fahrten geradezu von selber an. An Bord der M/V «Plancius» oder der M/V «Ortelius» (oder anderen Schiffen) folgt man der klassischen Route nach Norden bis zu den Siebeninseln, dann durch die Hinlopenstrasse zwischen den beiden grössten Inseln Spitzbergen und Nordaustlandet hinunter nach Barentsøya und Edgeøya, von wo es dann um die Südspitze in den Hornund den Bellsund und zurück nach Longyearbyen geht. Doch was tun, wenn man, vom Polarvirus befallen, sich in den Archipel verliebt hat und mehr erleben möchte? Auch für diese Frage gibt es eine Antwort: Eine Fahrt in den äussersten Osten der Inselwelt, nach Kvitøya, der weissen Insel. Der letzte Aussenposten Svalbards, bevor das russische Hoheitsgebiet beginnt. Die Insel selber ist fast ganz von einer Eiskappe bedeckt und im Sommer die Heimat von Walrossen, anderen Robben, Seevögeln und vor allem von Eisbären besetzt. Auch geschichtlich hat die Insel Spannendes zu bieten: Auf ihr fand der schwedische Ingenieur Salomon August Andrée mit seinen Gefährten 1897 Zuflucht, als sie beim Versuch, den Nordpol mit einem Heissluftballon zu erreichen, eine Bruchlandung erlitten. Alle drei kamen auf der Insel um, während sie auf Rettung warteten. Die Insel bietet also für alle etwas und ist daher ein besonderer Ort, den es zu erreichen gilt. An Bord der M/V «Plancius» fahren wir zusammen mit 21 Gästen von PolarNEWS/ Ikarus, von denen viele schon Expeditionsveteranen sind, in Svalbards wilden Osten, wo das Eis noch dick und die Tiere noch wild und ungezähmt… Moment, das sind sie auch im restlichen Archipel… also, wo das Eis noch dick ist und lange liegenbleibt. 44 PolarNEWS

Oben: Blick auf die Siebeninseln, nebelfrei. Unten: Reliktbukta, Blick auf das Hinterland. Das Ziel: Eine Anlandung an der einzigen möglichen Stelle, Andréeneset, eine flache, aber felsige Landspitze im Westen der Insel, häufig von Eis eingezäunt und bärenverseucht. Normalerweise erhält man nur einen einzigen Versuch für eine Anlandung, weil die Insel so weit draussen liegt und der Weg zurück lange ist und meist durch Packeis führt. Echte Expedition eben! Klassisch und doch anders Von Longyearbyen aus führt uns die Route zuerst an den letzten nördlichsten Aussenposten menschlicher Zivilisation, nach Ny Ålesund. In diesem ehemaligen Bergbauort herrscht heute Wissenschaft (jedoch nicht notwendigerweise Logik und Vernunft, wie uns Guide Ben in einem Vortrag später erklärt), daher ist er auch das temporäre Zuhause von Forschern und Technikern. Hier verfolgt man die grossen Fragen rund um die Polarwissenschaften und empfängt gleichzeitig Touristen aus aller Herren Länder, um ihnen im gut assortierten Laden Souvenirs und sogar Zahnpasta, Haargel und andere Toilettenartikel sowie Süssigkeiten zu verkaufen. Kommerz und Forschung können durchaus gemeinsam existieren, Wissenschaftler sich auch mal hinter eine Kasse stellen. Ein Novum für uns: Statt wie üblich mit dem Zodiac anzulanden, legt das Schiff direkt am Pier an, und wir steigen wie Kreuzfahrt- Touristen bequem über die Gangway aus, bei herrlichem Wetter und warmen Temperaturen. Doch schon am Strand werden wir daran erinnert, dass wir halt doch in der Wildnis sind: Ein junger Polarfuchs sitzt etwas weiter unten und kaut unbeeindruckt von all den Kameras auf alten Vogelknochen rum. Frühstückszeit! Die nächsten zwei Stunden erkunden wir den kleinen Ort, das neue, schön gestaltete Museum, shoppen im nördlichsten Laden der Welt Souvenirs und schicken noch kurz einen Kartengruss vom nördlichsten Postamt der Welt ab. Zwischendurch erfahren wir, warum mitten im Ort die Büste des ernst blickenden Roald Amundsen steht und dass vor kurzem ein Eisbär zu Besuch war (der wahrscheinlich nicht zum Einkaufen vorbei kam). Und schon geht es weiter, aber nicht im Kongsfjord wie sonst, sondern darüber hinaus in die Nordwest-Ecke von Spitzbergen. Denn dort liegt seit Wochen der Kadaver eines Pottwals an der Küste von Danskøya und zieht Tiere aus der Umgebung an. Vielleicht auch weisse, flauschig aussehende Grossraubtiere? Den Versuch ist es wert. Tatsächlich finden wir bei unserer Ankunft PolarNEWS 45 Kap Dezhnev, der östlichste Landpunkt von Russland.

© 2015 by PolarNEWS, Redaktion: Heiner Kubny – Impressum