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PolarNEWS Magazin - 26 - CH

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Mikrobiologie Es lebt:

Mikrobiologie Es lebt: In Bohrkernen wie diesem Stück aus dem Wostok-Eis entdeckten die Forscher mannigfaltiges Leben. Leben am unterste Man hat zwar gehofft, in den Seen unter dem kilometerdicken Eispanzer der An Was die Forscher tatsächlich entdeckten, übertraf dann aber sämtliche Erwartu Text: Peter Balwin Illustrationen: Chris Brunner Die Meldung hätte grossartiger nicht sein können: Es existiert Leben unter dem mächtigen Eisschild der Antarktis! Eine solche Schlagzeile eilte vor wenigen Jahren durch die Weltpresse. Am Grund des Gletschereises gibt es Seen und Flüsse, die miteinander vernetzt sind, die sich füllen und leeren – und diese beinahe extraterrestrisch anmutenden Gewässer sind der Lebensraum von Mikroorganismen. So etwas muss man sich erst einmal vorstellen! Erst dann begreift man allmählich die Sensation hinter dieser Nachricht. Leben unter kilometerdickem Eis. Leben in absoluter Finsternis. Leben ohne Kontakte zur Aussenwelt, ohne Sauerstoff, ohne Sonnenwärme. Leben, das seit Jahrmillionen unter dem Eis isoliert ist, in Seen aus flüssigem Wasser unter dem Inlandeis! Seit über 40 Jahren sind solche Seen unter der südpolaren Eiskappe der Antarktis bekannt. Dass sie aber einen Lebensraum darstellen für Mikroben – diese Erkenntnis ist sehr jung. Dass Mikroorganismen auch im Schnee oder auf dem Eis zu finden sind, weiss man schon lange, denn wo immer genügend Wasser in flüssiger Form vorhanden ist, lebt es sich bestens als Mikrobe. Schon dem alten Aristoteles ist vor 2400 Jahren aufgefallen, dass Schnee nicht immer weiss zu sein hat. Mancherorts leuchtet Schnee grünlich, gelblich, orange bis hin zu rötlich. 36 PolarNEWS

Die Bohrung am Wostoksee: 3,5 Kilometer durch das Eis (rot: Fliessrichtung des Gletschers). n Limit tarktis Leben zu finden. ngen. viel Leben entdeckt, dass die Forscher ihre Lehrbücher umschreiben mussten. Es ist der Wissenschaft klargeworden, dass Gletscher und Eisschilde beträchtliche Flächen unseres Planeten bedecken (11 Prozent) und zudem biologische Lebensgemeinschaften aufweisen, die von Mikroorganismen dominiert sind. Gletschern und Eisschilden wurde deshalb vor wenigen Jahren der Status eines Grosslebensraumes (Biom) offiziell zuerkannt. Etwas unheimlich wird es aber bei den Mikroben, die unter dem Gletschereis gedeihen, an der Berührungsfläche von Eis und Fels oder Erdboden. Die Reibung durch das Fliessen des Gletschers, der Druck des Eises auf den Boden und das Abstrahlen der Erdwärme führen unter vielen Gletschern dazu, dass Eis am Gletschergrund schmilzt. Das entstehende Wasser ist nicht nur ein perfekter Schmierfilm, auf dem die Eismasse talwärts gleiten kann – Wasser ist auch die Grundbedingung für mikrobielles Leben unter dem Gletscher. Leben unter dem Eis Neuerdings wird in Wissenschaftskreisen spekuliert, ob es nicht sogar die Mikrolebewesen selber sind, welche die Verwitterung von Sedimenten am Grunde der Gletscher herbeiführen. Mikroben sind an der Unterseite von Gletschern, an der Berührungsfläche von Fels, Gletschereis und Wasser, nämlich reichlich vorhanden. Wo die Bodenform unter dem Gletscher es zulässt, kann sich solches Schmelzwasser sammeln; es entstehen Seen. Weil sie unter dem Gletscher liegen, oft kilometertief, nennt man sie Subglazialseen oder Untereisseen. Bild: Nasa. Illustrationen: Nasa; NOC. Verantwortlich für das Farbenspiel sind die Schneealgen, einzellige Süsswasseralgen, die in Schneefeldern oder im Schnee auf Gletschern leben und sich bei 0 Grad Celsius pudelwohl fühlen. Diesen Kleinstlebewesen begegnet man überall auf der Welt, wo Schnee liegt, in polaren Gefilden genauso wie in den Hochgebirgen dieser Welt. Mittlerweile haben Erdwissenschaftler in den «kargen» Gebirgswelten und den «lebensfeindlichen» Eismassen der Arktis und Antarktis derart Unter dem Eisdeckel der Antarktis verbirgt sich ein System von Flüssen und Seen. PolarNEWS 37

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