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PolarNEWS Magazin - 26 - CH

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Verständigung über

Verständigung über Kurz- oder Langwelle, auf Englisch Radio and Communications. Gute Guides können aber auch Informationen vermitteln, Geschichten über die Landschaft erzählen, über das Leben der Tiere und den Kunden damit ein echtes Abenteuer bieten. Denn ein wirklich guter Guide muss die Leute für die Umwelt begeistern können. Das ist schon ein ganz grosser Rucksack, den so ein Guide mitnehmen soll. Er muss sehr vielseitig sein. Ein Guide, der die PTGA-Mindestanforderung erfüllt und ein entsprechendes Zertifikat erhält, muss grundlegende Kenntnisse in Gefahren- und Sicherheitsmanagement nachweisen können. Und er muss mit den Kunden gut umgehen können. Wir legen die Latte nicht so hoch, dass niemand sie erreichen kann. Es geht um minimale Kompetenzen. Er braucht nicht unbedingt technische Kenntnisse, wie das etwa ein Bergführer haben muss. Wir wollen die Leute dabeihaben, nicht draussen. Gab es denn bis anhin überhaupt keine Zertifikate für Guides? Klar gibt es sie, die Zertifikate, Diplome, Lizenzen für Outdoor-Guides. Das Problem ist nur: Sie decken alle immer nur einen Bereich ab von dem, was ein Polar-Guide können muss. Zum Beispiel gibt es in Grossbritannien eine Lizenz, die es erlaubt, mit Schlauchbooten unterwegs zu sein. Das ist zwar eine sinnvolle Lizenz, nur sagt sie nichts darüber aus, ob diese Person auch ein Schlauchboot in der Arktis oder der Antarktis fahren kann. Eine Wanderleiterausbildung für die Alpen deckt bestimmt auch viele Aspekte ab, die für das Führen von Gruppen in den Polarregionen nützlich sind. Und doch kann ein solcher Wanderleiter in der Antarktis buchstäblich «am Berg stehen», weil er nicht weiss, welche Regeln da gelten oder was es zu beachten gilt, zum Beispiel wenn man eine Pinguin-Kolonie beobachten geht. Es gibt Zur Person Graham Charles ist einer der vielfältigsten Outdoor-Spezialisten Neuseelands und arbeitet als Guide, Fotograf und Autor von Büchern. Seine Passion für das Abenteuer hat ihn in die ursprünglichsten Teile der Erde geführt. Er hat Erstbegehungen in der Antarktis, auf Feuerland und Südgeorgien gemacht. Graham Charles verfügt ausserdem über mehr als 30 Jahre Kanuerfahrung und hat diesen Sport auf dem höchsten Niveau betrieben. www.polartourismguides.com eben die Besonderheiten, die man kennen muss, wenn man Leute durch die Arktis oder die Antarktis führt. Dann muss im Prinzip ein Polar-Guide viele verschiedene Diplome haben. Und genau das ist das Problem. Es gab bisher keine spezifische Ausbildung. Die Unternehmen hatten die Möglichkeit, ihr Personal in Kurse zu schicken, was teuer ist und grad für kleinere Unternehmen nicht erschwinglich. Oft beschränkt sich darum die Ausbildung darauf, dass ein Unternehmen sein Personal vor der Schiffsabfahrt oder unterwegs instruiert, wenn überhaupt. Dann heisst es etwa: Du bist die Person mit der grössten Erfahrung auf dem Schiff – kannst du, wenn du etwas Zeit hast, die Leute in Risikomanagement unterrichten? Die Ausbildung der Guides ist also zurzeit Nebensache und Sie wollen das ändern. Wie wollen Sie das bewerkstelligen? Die PTGA hat einerseits Ausbildungsprogramme erarbeitet. Von Guides für Guides. Man kann diese Programme online abrufen. Andererseits bildet die PTGA Experten aus, die bei Reiseunternehmen vor Ort die Guides trainieren und deren Arbeit beurteilen. Der Experte wird dann etwa das technische Können prüfen, ob der Guide zum Beispiel auf einem eisigen Pfad zurechtkommt. Oder ob er mit kritischen Situationen umgehen kann. Es geht dabei aber nicht nur um technische Aspekte. Der Experte wird auch schauen, ob der Guide auf die Gäste eingeht, ob er ihnen beim Reden in die Augen schaut oder gegen den Wind spricht. Aber der Experte ist ja nicht unabhängig, sondern wird vom Unternehmen eingesetzt. Besteht da nicht die Gefahr, dass er die Guides einfach durchwinkt? Dann würden Sie als Gast die schlechte Qualität der Guides bemerken. Und wir leben im 21. Jahrhundert, Sie würden Ihre Enttäuschung via soziale Medien der ganzen Welt kundtun. Daran ist weder die PTGA interessiert, noch sind es die Reiseunternehmen. Ein Unternehmen mit sehr guten Guides kann sich hingegen von anderen, gleichartigen Unternehmen abheben. Ausserdem besucht die PTGA alle drei Jahre diese Unternehmen und nimmt die Arbeit der Experten unter die Lupe. Warum kommt die Initiative aus den Kreisen der Guides und nicht von den Unternehmen? Früher oder später hätte bestimmt irgendeine grössere Organisation oder Institution Regeln für uns Guides aufgestellt, ohne dass sie unseren Beruf wirklich kennt. Vielleicht hätte sie sogar politische Interessen vertreten. Also habe ich gesagt: Wenn wir Guides das nicht bald selber machen, wird jemand anderes das übernehmen und die Regeln für uns machen. So ist die PTGA entstanden. Heute sind wir fünf Personen, welche den Verband leiten und die alle grosse Erfahrung als Guides mitbringen. Ich zum Beispiel bin seit über dreissig Jahren in ganz verschiedenen Tätigkeiten in den polaren Gebieten aktiv und habe über all die Jahre für viele verschiedene Unternehmen in unterschiedlichen Tätigkeiten gearbeitet. Und ich bilde selber Outdoor- Guides aus. Ich weiss, welche Anforderungen an Guides gestellt werden, welche Fähigkeiten sie mitbringen müssen. Darum sind die Regeln der PTGA realistisch, sie basieren auf dem, was Guides wirklich tun. Umgekehrt gedacht: Führt das nicht zu einem Kartell, um den Markt zu kontrollieren, sodass erfahrene Guides ohne PTGA-Diplom bald nicht mehr führen können? Nein, das ist wirklich nicht unser Ziel. Das wäre doch wahnwitzig, wenn wir die Türen für erfahrene Guides verschliessen wollten. Oder nur die PTGA-Ausbildung gilt. Auch das wäre Unsinn, wenn wir Kontrolle auf den Markt ausüben wollten, auf welche Art auch immer. Was kommt es denn drauf an, wo man ein Diplom gemacht hat... Wichtig ist, dass dieses Diplom die Fähigkeiten abdeckt, die es explizit für den Polartourismus braucht. Klar anerkennen wir auch andere Ausbildungen! Jemand hat vielleicht ein norwegisches Bergführerdiplom, ein anderer hat eine Outdoor-Ausbildung in Australien gemacht. Mit diesen Ausbildungen kann man in den Polarregionen gute Arbeit als Guide leisten. Wir empfangen diese Leute mit offenen Armen. Mit unseren Ausbildungsprogrammen können diese Leute aber ihre Kompetenzen erweitern und damit ihre Fähigkeiten ideal auf die aktuellen Erfordernisse in den polaren Regionen abstimmen. Gibt es schon Unternehmen, die mitmachen? Für die nächste antarktische Saison gibt es zwei Unternehmen, welche die Ausbildungsprogramme der PTGA übernehmen. Polar Latitudes klopfte an unsere Tür, schon bevor es uns offiziell gab, und meinte: «Das ist ja fantastisch! Die PTGA löst alle unsere Probleme.» Sie übernehmen unser Modell und werden ihre Guides mit den Programmen der PTGA ausbilden. Dann hat Bilder: zvg. 34 PolarNEWS

werden dann auch die Möglichkeit haben, Online-Prüfungen zu machen. Fakultativ. Bei Bewerbungen können ihnen diese aber nützlich sein. Das Unternehmen kann ins Curriculum vitae eines Bewerbers schauen und weiss genau, welche Fähigkeiten und Kenntnisse eine Person hat. Aber so weit sind wir noch nicht. Mit mehr Tourismus werden auch Fragen des «Wie» immer wichtiger. Stichworte Nachhaltigkeit und Naturschutz. Was leistet PTGA bezüglich dieser Fragen? Die meisten Reiseanbieter gehören der International Association of Antarctic Tour Operators (IAATO) und der Association of Arctic Expedition Cruise Operators (AECO) an. Die beiden Organisationen vertreten die Unternehmen, die im Polartourismus tätig sind, und sie setzen hohe Umweltstandards, damit der Polartourismus in eine nachhaltige Richtung geht. Das verpflichtet die Guides, und auch wir stehen voll und ganz hinter den Regeln dieser beiden Organisationen. Ausserdem hat die PTGA einen Verhaltenskodex, zu dem sich die PTGA-Mitglieder verpflichten. Hauptsache im Freien: Graham Charles auf dem Gipfel des Denali in Alaska. sich Silversea Cruises gemeldet. Andere Unternehmen möchten erst schauen, wie das Modell funktioniert. Und dann haben wir schon viele Anmeldungen von unabhängigen Guides, die einen Wert darin sehen, dass mit der PTGA eine Professionalisierung entsteht, ein Beruf sogar, und dass sie offiziell als Polar-Guides anerkannt werden. Wie finanziert sich die PTGA? Wir leben von den Beiträgen unserer Mitglieder, bis jetzt sehr dürftig. Der Jahresbeitrag für einen PTGA-Guide beträgt hundert Dollar, für einen Experten 250 Dollar. Mit Unternehmen handeln wir den Preis aus. Wie können Sie die Unternehmen überzeugen mitzumachen? Unternehmen, die mitmachen, haben begriffen, dass die Qualität ihres Produkts sehr vom Personal abhängt. Klar bezahlen die Kunden für das bequeme Bett, die schöne Kabine. Aber es sind immer die Menschen, die hinter einer Reise stehen, die sie ausmachen. Das ist es, was bleibt. Mit der PTGA hat das Unternehmen ein Qualitätssiegel, das es für sein Marketing brauchen kann. Was haben Sie persönlich davon? Die Ausbildungsprogramme sind online und für alle zugänglich. Bis jetzt haben wir nichts dabei verdient. Meine persönliche Motivation ist die bestmögliche Qualität des Polartourismus. Langfristig aber wird sich die PTGA über die Mitgliederbeiträge finanzieren. Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten zehn Jahre gesteckt? In zehn Jahren werden die Experten, so hoffe ich, eine formelle Stellung innerhalb ihres Unternehmens haben. Sie werden Zeit haben, Guides auszubilden, und sie werden dafür bezahlt sein. Und die PTGA wird in der Branche massgebend sein für die Definition der Anforderungen an die Guides. Sie sprechen die Zukunft an. Wird es bei diesen Ausbildungsprogrammen bleiben oder werden weitere dazukommen? Wir sind daran, unser Angebot auszubauen: in Leadership, in Geschichte der Arktis, über die politische Situation der polaren Regionen, über die Meerestiere... Die Guides Und wenn neue Angebote hinzukommen, die für die Umwelt bedenklich sind? Sea-Kayaking ist so ein Beispiel. Vor zehn oder fünfzehn Jahren gab es ein oder zwei Unternehmen, die das anboten. Heute bieten fast alle Reiseanbieter Sea-Kayaking an, und die restlichen prüfen, ob sie es nächstes Jahr anbieten werden. Im Moment sind die Schneescooter am Kommen, mit denen man tagelang unterwegs ist. Es ist leider so: Oft brauchen die Aktivitäten, die cool sind, fossile Treibstoffe. Für mich fühlt sich diese Entwicklung ab und zu an, wie wenn man am Rand einer Klippe steht. Die PTGA möchte aber die ganze Bandbreite des Polartourismus abdecken, nicht nur die Schifffahrten. Dazu gehören halt auch neue Angebote. Wir leben von unseren Mitgliedern. Wenn wir keine Mitglieder haben, dann können wir nicht überleben. So läuft das halt in der Tourismusindustrie. Eine letzte Frage: Sagen Sie uns doch bitte in einem Satz, warum es die PTGA braucht. Mit der PTGA können nicht nur die Guides von unseren Kenntnissen profitieren, sondern die ganze Industrie. Die Sicherheit wird besser, die Einstellung gegenüber dem Polartourismus wird besser und die Regeln zum Schutz der Umwelt werden besser eingehalten. Das waren jetzt zwei Sätze. PolarNEWS 35

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