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PolarNEWS Magazin - 26 - CH

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Text: Peter Balwin Mit

Text: Peter Balwin Mit unbändiger Kraft brechen die Wellen des Südatlantiks an die Felsenküste. Gischt spritzt, und der stürmische Wind des Spätwinters bläst Schaumkronen weit die wilden Klippen hinauf. Wenn die nächste Welle ihre Kraft sammelt und das Wasser für einen Moment etwas zurückweicht, scheint sich die gefurchte Felsenlandschaft hochzuheben wie ein Schiff im Orkan. Und mitten drin in dieser archaischen Szenerie sind Pinguine. Dies ist ihr Landeplatz! Ein Wagnis sondergleichen, wer in diesem tosenden Ozean versucht auf die Felsen zu springen und zur Brutkolonie hinaufzugelangen. Wieder und wieder reisst das Wasser die Vögel zurück – oder schlägt sie kreuz und quer mit der nächsten Welle ans Gestein, schleift sie über die Felsterrasse und lässt sie im Tosen untergehen. Aber Felsenpinguine würden ihrem Namen nicht gerecht, wenn sie jetzt versagten. Sie versuchen es nochmals – und nochmals, bis sie den wogenden Wellen entkommen und aufgeregt und mitgenommen davonhüpfen. Waren diese kleinen, kompakten Meeresvögel gerade noch wie Torpedos im Wasser unterwegs, so müssen sie jetzt die steile Felswand empor. Kräftige Sprünge von einer Felsnische zur nächsten bringen die Pinguine rasch voran. «Rockhopper penguin» heisst dieser etwa 55 bis 60 Zentimeter grosse Vogel in Englisch, Felsenspringer… Daddys Liebling Der Felsenpinguin kommt zirkumpolar in subantarktischen und gemässigten Zonen vor. Er wird von der Fachwelt in zwei Arten aufgeteilt: den Nördlichen Felsenpinguin oder Nordfelsenpinguin (Eudyptes moseleyi) und den Südlichen Felsenpinguin oder Südfelsenpinguin, bei dem die beiden Unterarten Eudyptes chrysocome chrysocome und Eudyptes chrysocome filholi unterschieden werden. Diese Aufteilung in zwei unterschiedliche Arten besteht erst seit 2006, als genetische Untersuchungen klare Unterschiede zwischen den Nördlichen und dem Südlichen Felsenpinguin belegten. Man nimmt an, dass sich die beiden Arten vor knapp einer Million Jahren getrennt haben, als sich die antarktische Konvergenzzone nach Süden verschob. Definitiv einig über die Zuordnungen ist man sich in der Fachwelt allerdings bis heute nicht. Immerhin soviel: Der Südfelsenpinguin lebt an der Südspitze Südamerikas sowie auf den Falklandinseln (Unterart chrysocome) und auf vielen subantarktischen Inselchen wie Prinz Edward, Crozet, Kerguelen, Campbell oder Macquarie. Der Nordfelsenpinguin hingegen bewohnt winzige Inseln im Südatlantik (Tristan da Cunha und Gough) sowie im südlichen Indischen Ozean (Amsterdam- und St.-Paul- Inseln). Sobald die Pinguine – nach geglückter Landung – die Klippe erklommen haben, ist die Kolonie erreicht, und das Brutgeschäft kann beginnen. Erstaunlich ist, dass Felsenpinguine zwar zwei Eier legen – aber meistens überlebt nur das Küken aus dem zuletzt gelegten Ei. Das zuerst gelegte Ei ist normalerweise bis zu 40 Prozent kleiner (78 Gramm) als das zweite Ei (110 Gramm). Wenn das Junge nach einer Bebrütungszeit von etwas über einem Monat mit seinem Eizahn die Schale aufbricht, ist Februar und der Höhepunkt des Südsommers erreicht. Jetzt beginnt der Einsatz der Pinguin-Eltern; ihre wichtigste Aufgabe ist es, dem Nachwuchs Nahrung zu liefern und ihn gegen räuberische Seevögel, etwa Skuas, oder aufdringliche Nachbarn zu verteidigen. Besonders die Väter sind gefordert, denn männliche Felsenpinguine bewachen die Küken in den ersten drei bis vier Wochen nach dem Schlüpfen – ohne selber zu Bilder: 16 PolarNEWS

Bilder: Vreni Gerber, Priska Abbühl, iStock (vordere Doppelseite) fressen. Während dieser väterlichen Fastenzeit fällt den Weibchen die Aufgabe zu, den Jungvögeln Nahrung ans Nest zu bringen. Dabei schwimmen die Weibchen täglich zwischen 30 und 60 Kilometer ins Meer hinaus. Diese Art der Kleinkinderbetreuung findet sich nur bei den Schopfpinguinen (Eudyptes), zu denen unsere Felsenpinguine gehören. Bei den meisten anderen Pinguinarten wechseln sich die Partner ab: Einer bewacht das Nest, der andere holt Nahrung draussen im Meer; dann wird getauscht. Auf Fresstour Die Routen solcher «Einkaufstouren» verlaufen verschieden, je nach der Lage der Brutkolonie. Die Südlichen Felsenpinguine, welche auf der Isla de los Estados (Staateninsel, südöstlich von Feuerland) brüten, suchen ihre Nahrung im offenen Meer südöstlich der Brutkolonie. Ganz anders ihre Artgenossen von den Falklandinseln: Sie wählen ein Meeresgebiet über dem Schelf und dem Kontinentalabhang, welches nordöstlich des Falkland-Archipels liegt. Eine Gruppe Ornithologen wollte kürzlich auf den Falklandinseln wissen, mit wie viel Nahrung ein Felsenpinguin aus dem Meer zu seinem Nest zurückkehrt. Um so etwas herauszufinden, installierten die Forscher kurzerhand eine kleine Brückenwaage. Felsenpinguine mussten diese Waage zwangsläufig passieren – auf dem Weg zur Nahrungssuche im Meer und auf dem Rückweg. So gelang es den Forschern, den Gewichtsunterschied zu messen. Und siehe da: Heimkehrende Pinguine waren zwischen 240 und 290 Gramm schwerer. Aber nicht nur das Gewicht wurde gemessen – zeitgleich notierten sich die Wissenschaftler Windrichtung und -geschwindigkeit auf dem Meer. Es zeigte sich, dass diese beiden Werte einen bedeutenden Einfluss hatten auf die Gewichtszunahme der Felsenpinguine nach der Nahrungssuche. Bei stürmischen Winden war die Gewichtszunahme am geringsten. In den letzten fünf, sechs Wochen vor dem Flüggewerden Links: Felsenpinguine haben keine Probleme mit Albatrossen – solange man sich gegenseitig in Ruhe lässt. Rechts: Mit einem mutigen Sprung ins kalte Nass spart man sich das Kraxeln auf den Felsen. kommen alle Jungvögel einer Kolonie in einer sogenannten Crèche zusammen, in eigentlichen Kindergärten. Dort wird jedes Jungtier von den eigenen Eltern kulinarisch betreut, wobei sich nun Väter und Mütter diese Aufgabe teilen. Während die Jungen in der Crèche-Phase sind, packen die Altvögel ihre Chance und gehen auf mehrtägige Nahrungsreisen, um ihre grossen Gewichtsverluste durch die Brutzeit wieder auszugleichen. Auf Tauchgang Ist die Brutsaison vorüber und sind die Jungen ausgeflogen (bei Pinguinen wohl eher: weggeschwommen), dann hält es keinen einzigen Pinguin mehr länger an Land. Ab ins Meer, heisst nun der Plan für den nahenden Winter. Im Winter ziehen Felsenpinguine Meeresgebiete vor, in denen die Temperaturen in den oberen Schichten je nach Wintermonat zwischen 5 und 8 Grad liegen. Laut einer Studie an Pinguinen auf der argentinischen Staateninsel waren die winterlichen Jagdgründe zudem vorzugsweise in sehr nährstoffreichen Schelfmeeren von weniger als 200 Metern Tiefe zu finden. Dank moderner Technik kann man heute den Pinguinen selbst beim Tauchen noch über den Schnabel schauen. So wurden Südliche Felsenpinguine von der kleinen Noir-Insel an der Westseite Feuerlands im Pazifik bei ihren Tauchgängen beobachtet. PolarNEWS 17

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