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PolarNEWS Magazin - 25 - CH

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Historisch Nobiles Drama

Historisch Nobiles Drama Es hätte alles auch ganz anders kommen können. Aber Eitelkeit und Geltungssucht machten aus beleidigten Helden tragische Verlierer, und aus einem gloriosen Triumph im Rennen um den Nordpol wurde das grösste Desaster in der Geschichte der Arktis. Mit 21 Flugzeugen, 16 Schiffen und Hundeschlitten im Rettungseinsatz. Und mit 18 Toten. Text: Christian Hug Die Protagonisten in diesem Trauerspiel: Umberto Nobile, ein italienischer Luftschiff- Ingenieur im Rang eines Generals, und Roald Amundsen, norwegischer Entdecker und 1911 der erste Mensch am Südpol. In weiteren Rollen: ein italienischer Staatspräsident, ein russischer Funker, ein schwedischer Pilot, ein amerikanischer Millionär, ein britischer Geist und ein Hund mit Flugangst. Plus mehr als 1500 Mann Rettungskräfte aus sechs Ländern. Vorspiel I: Das Schiff August 1921, Seattle, USA Drei Jahre lang verharrte Roald Amundsen mit seinem Schiff «Maud» in der Eisdrift der Nordostpassage in der Hoffnung, die Drift treibe ihn zum Nordpol. Die Aktion hätte bis 1925 dauern sollen, aber als Amundsen erkennt, dass er sein Ziel nicht erreichen wird, bricht er die Übung ab und führt das Schiff nach Seattle. Vorspiel II: Die Flugzeuge Mai 1925, Ny Ålesund, Spitzbergen Roald Amundsen ist ziemlich pleite. Darum hat er sich mit dem deutschen Flugzeugbauer Dornier sowie dem amerikanischen Vermessungsingenieur, Millionär und Sponsor Lincoln Ellsworth zusammengetan für einen neuerlichen Vorstoss von Spitzbergen aus zum Nordpol. Diesmal mit zwei Dornier- Flugzeugen. Die Aktion scheitert, weil die Flugzeuge zu früh, nämlich 200 Kilometer vor dem Nordpol, in einer Wasserrinne landen und festfrieren. Die Mannschaft bleibt 26 Tage auf dem Eis vermisst. Alle überleben. Roald Amundsen ist ziemlich sauer. Zwar gilt der Nordpol als erobert, seit 1909 Robert Peary und Frederick Cook beide für sich beansprucht haben, als Erster dort gewesen zu sein. Aber noch ist am Nordpol viel Ruhm und Ehre zu holen für einen verwegenen Entdecker wie Amundsen, und genau danach lechzt der alte Norweger. Er war es schliesslich, der 1911 als erster Mensch das andere «Ende» der Erde erobert hatte, den Südpol. Nun will Amundsen auf Teufel komm raus zum Nordpol. Er träumt schon lange davon, irgendwo in den Weiten der Arktis neues Land zu entdecken, das dann ihm zu Ehren Roald-Amundsen- Land heissen würde. Vorspiel III: Das Angebot September 1925, Rom, Italien Roald Amundsen ist bankrott. Zeitzeugen beschreiben ihn als mürrisch, herrisch und egomanisch. Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass der Norweger nur sehr wenig begeistert zum allerersten Treffen mit dem italienischen Ingenieur, Dozent und Mathe- matiker Umberto Nobile fährt. Amundsen kommt als Bittsteller. Nobile ist ein Zeppelin-Bauer von Weltrang. Als Italien 1915 in den Ersten Weltkrieg eingetreten war, bewarb sich Nobile beim Militär, wurde aber wegen seiner kleinen, schmächtigen Statur abgelehnt. Beim dritten Anlauf klappte es: Er trat in den Dienst der Militärluftschiff-Werkstätte in Rom, wurde 1919 deren Direktor und erhielt 1923 das Luftschiff-Patent im Rang eines Oberstleutnants. Inzwischen entwickelt Nobile selber Zeppeline. Der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini hat Amundsen einen von Nobile konstruierten Zeppelin für einen Flug zum Nordpol angeboten – unter der Bedingung, dass der Erbauer ebenfalls mitfliegt, und zwar als Leiter der Expedition. Das passt Amundsen natürlich nicht in den Kram. Aber er willigt ein. Der norwegische Aero- Club und der Sponsor Lincoln Ellsworth kaufen dem Staat Italien das Luftschiff N1 ab (N steht für den Erbauer Nobile, 1 für dessen erste eigene Konstruktion) und taufen den Zeppelin in «Norge» um (Norge heisst Norwegen auf Norwegisch). Erster Akt: Der Streit 12. Mai 1926, 02.20 Uhr, Nordpol Nach 16 Stunden und 40 Minuten flotter Fahrt von Spitzbergen aus erreicht die «Norge» den Nordpol und umkreist den Punkt Bild: zvg. 60 PolarNEWS

Die «Italia»-Tragödie ist in den italienischen Medien das bestimmende Thema: Titelbild der Wochenzeitschrift «Domenica del Corriere». PolarNEWS 61

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