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PolarNEWS Magazin - 25 - CH

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Interview 40

Interview 40 PolarNEWS

«Das sind einfach schöne Projekte» Werner Kirsten entwickelt für die Firma Lehmann in Deutschland einzeln angefertigte Kufen für Transporte in polaren Gebieten – war aber selbst noch nie dort. Interview: Elsbeth Flüeler Bilder Steffen Graupner «Vier, fünf Monate für Entwicklung und Bau»: Ingenieur Werner Kirsten. Ein Unternehmen aus dem deutschen Vogtland, das Schlitten für die Antarktis und die Arktis baut. Die liegen ja nicht grad vor eurer Tür... Warum ist gerade Ihre Firma Lehmann in diesem Bereich tätig? Wir «Lehmänner» sind Sondermaschinenbauer, und wir sind in der Filter- und Fördertechnik tätig. Das sind unsere Kernkompetenzen, und deswegen gelangen die Antarktis-Kunden an uns. Sie möchten Frachtgut, das per Schiff bis zur Eiskante gefahren wurde, ins Landesinnere transportieren. Warum nimmt man dazu denn keine Hundeschlitten? Abgesehen davon, dass man schon lange keine Tiere mehr in diese Gebiete einführen darf, würden auch sehr viele Rudel nicht reichen. Das Besondere dieser Schlitten ist, dass sie bis zu 25 Tonnen Last transportieren können. Es können sogar Konvois gebildet werden, mehrere Schlitten aneinander gehängt und mit nur einem Fahrzeug bewegt. Was sind denn die Herausforderungen an die Konstruktion dieser Schlitten? Es braucht eine ganz besondere Konzeption von der Festigkeit und der dynamischen Belastung her. Das Problem ist: Wenn ein Schlitten längere Zeit steht, dann frieren die Kufen auf dem Untergrund fest. Das Gewicht erzeugt Druck, sprich Wärme, und es bildet sich Schmelzwasser, das gefriert. Beim Anfahren müssen diese Schlitten deshalb enorme Reibungskräfte überwinden. Bei unserer Konstruktion werden nicht alle Kufen gleichzeitig in Gang gesetzt, sondern Stück für Stück. Das geht so: Es wird das erste Kufenpaar gezogen, dann das nächste, dann das übernächste, bis zum letzten Kufenpaar. Erst dann beginnt sich der ganze Konvoi zu bewegen. Dadurch können diese Kräfte besonders gut beherrscht werden. Dann sind die Schlitten auch aus einem besonderen Stahl gebaut, sie sind mit einem besonderen Fertigungsverfahren geschweisst, und sie haben einen speziellen Gleitschichtbelag. Das ist das eine. Das andere ist: Die Kufen sind nicht starr, sondern sie sind über spezielle Gelenke mit der Plattform verbunden und können deshalb um eine Achse schwenken und sich dem Untergrund anpassen. Damit ist die Last immer gleichmässig und harmonisch verteilt. Warum ist das nötig? Der Untergrund der Antarktis ist keine befestigte Strasse. Wir haben enorme Unebenheiten, wir haben kleinere Gletscherspalten, wir haben Gebirge zu überwinden. Weil die Schlitten aber so beweglich sind, können sie mit den schweren Lasten all diese Hindernisse problemlos überwinden. Unsere Kunden bewältigen damit bis zu 3000 Meter Höhendifferenz. Sie können Hunderte von Kilometern ins Landesinnere vordringen und die Lasten zu hundert Prozent sicher transportieren. PolarNEWS 41

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