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PolarNEWS Magazin - 25 - CH

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Nachrichten News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin Ohne Schneehöhle keinen Nachwuchs: Gibts dieses Jahr weniger Eisbärenjunge auf Svalbard? Svalbards Eisbären leiden Im vergangenen Winter 2016/17 brachen die Temperaturen auf Spitzbergen sämtliche Höhenrekorde. Manchmal war es 20 bis 30 Grad Celsius wärmer als normal. Mitte Februar zum Beispiel stieg die Lufttemperatur in Longyearbyen auf 4 Grad – wärmer als an jenem Tag in Paris! Als Folge des warmen Polarwinters kam die Grenze des Meereises im Januar weit nördlich von Spitzbergen zu liegen, und der Archipel blieb lange eisfrei. So war auch die Insel Kongsøya im König- Karl-Land – lange eines der wichtigsten Gebiete mit Eisbären-Geburtshöhlen – die meiste Zeit des Winters von offenem Wasser umgeben. Wissenschaftler befürchten, dass unzählige Eisbärenweibchen wegen des fehlenden Meereises diesen Winter keine Chance hatten, die optimalen Gebiete zum Bau ihrer Wurfhöhlen überhaupt zu erreichen. Quelle: WWF Schwertwal-Klangkonzert Wissenschaftlern des deutschen Alfred- Wegener-Instituts (AWI) war es 2013 erstmals gelungen, die Kommunikation von Schwertwalen des Ökotyps C in der Antarktis mit Unterwassermikrofonen aufzunehmen. Es war bisher unklar, mit welchen Rufen und Tönen die Schwertwale miteinander kommunizieren. Während der Aufnahmedauer von insgesamt vier Stunden gaben vier Wale einer Orca-Schule mehr als 2000 Klick-, Pfeif- und Basslaute von sich. Nun sind die Auswertungen dieser Aufnahmen veröffentlicht: Die Forscher konnten die Aufnahmen in 26 Lautgruppen einteilen, die allesamt belegen, dass die Orca- Sprache komplex ist. Orcas des Ökotyps C in der Antarktis sind die kleinsten aller Schwertwale. Daneben gibt es in antarktischen Gewässern noch drei weitere Typen, die sich im Aussehen und in ihrem Jagdverhalten unterscheiden. Quelle: AWI Wöchentlich News aus der Polarforschung auf polar-news.ch 14 PolarNEWS

Neues Schutzgebiet in Sibirien In Russlands sibirischer Teilrepublik Jakutien ist man daran, das Naturschutzgebiet Neusibirische Inseln einzurichten. Ein Hauptziel dieses neuen Naturreservates ist der Schutz der Grossen Sibirischen Polynja. Polynjas heissen die offenen Meeresgebiete am Rand von Eisflächen, sie sind für die Tierwelt sehr wichtig. Die Sibirische Polynja gefriert auch im Winter nicht. Jeden Winter versammeln sich hier neben Eisbären und Walrossen auch etliche Tierarten, die auf der Roten Liste aufgeführt sind, zum Beispiel Plüschkopf- und Gluckenten, Rosenmöwen und Zwergschwäne. Ohne staatlichen Schutz droht dem Gebiet die Erschliessung von Öl- und Gasvorkommen sowie Störungen durch vermehrten Transit von Handelsschiffen auf dem nördlichen Seeweg. Hinzu kommt, dass die Neusibirischen Inseln die weltweit grössten Vorkommen an Mammutknochen aufweisen. Der illegale Abbau solcher Funde führt oft zu starken Eingriffen, welche die Landschaft verschandeln. Quelle: WWF Russland IN KÜRZE Russland I: Mehr Geld Im hohen Norden Russlands bahnt sich eine Welle an Investitionen an. Viele Milliarden Rubel sollen in über 140 Grossprojekte fliessen, unter anderem in die Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen, aber auch in den Abbau von Kohle und Erzen sowie in Unterhalt und Logistik der Nordostpassage. Aus der russischen Arktis stammt über ein Fünftel aller nationalen Exporte, und die Region steuert mehr als 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Vergiftete Elfenbeinmöwen Quelle: High North News Bilder: Michael Wenger, National Snow and Ice Data Center, Unfreiwilliger Sammler: Elfenbeinmöwen nehmen mit ihrer Nahrung viele Umweltgifte auf. Meereis-Ausdehnung: Immer geringer… Fast zeitgleich liefen im März zwei ganz unterschiedliche Zahlen über die Nachrichten-Ticker: Da war einerseits die maximale winterliche Ausdehnung des Meereises im Arktischen Ozean, und anderseits die geringste Ausdehnung des Sommereises rund um die Antarktis, im Südozean. Beide Flächenzahlen lieferten neue Minus-Rekorde. Der Meereis-Deckel am Nordpol erreichte 14,42 Millionen Quadratkilometer – die kleinste Eisfläche seit 38 Jahren (Beginn der Satellitenmessungen). Ähnlich tönt es aus der Antarktis. Dort mass die geringste Meereisfläche, welche das natürliche sommerliche Abschmelzen überdauert hatte, am 3. März nur gerade noch 2,11 Millionen Quadratkilometer. Dies ist der niedrigste Sommerwert, seit man 1979 mit Satellitenmessungen begonnen hatte. Quelle: National Snow and Ice Data Center NSIDC Die reinweisse Elfenbeinmöwe der Hocharktis ist dabei, sich mit gefährlichen Schadstoffen zu vergiften, welche die Möwe über ihre Nahrung aufnimmt (Biomagnifikation). Die Umweltgifte stammen aus unseren Breiten und erreichen die Arktis durch Luft- und Meeresströmungen. Die Liste der Gifte im Körper der Elfenbeinmöwe liest sich wie ein Rezept aus der Hexenküche: Chlorkohlenwasserstoffe, bromierte Flammschutzmittel, perfluorierte Alkylsubstanzen, Dichlordiphenyldichlorethen (DDE), polychlorierte Biphenyle (PCB) und andere. Nebst einem solchen Giftcocktail im Körper macht dieser als gefährdet eingestuften Möwe auch der stete Verlust an Meereis zu schaffen. Quelle: Polar Biology Am 3. März war die Ausdehnung des Antarktis-Eises am geringsten. Orange eingezeichnet die durchschnittliche Mindestausdehnung der letzten 30 Jahre. Russland II: Mehr Schiffe Im Jahr 2016 nutzten 420 Handelsschiffe den Nördlichen Seeweg entlang der Nordostpassage vor der Arktisküste Sibiriens. Die ganzjährige Nutzung dieser polaren Schiffsroute ist nur möglich, weil atombetriebene russische Eisbrecher den Containerschiffen und Tankern eine Fahrrinne durch das Packeis pflügen. Ein Jahr davor registrierte man erst 195 Schiffe. Quelle: Barents Observer Buckelwale: Mehr Fressen Buckelwale der Antarktis (siehe PolarNews Nr. 23) fressen sich im Südsommer rund um den Weissen Kontinent den Bauch voll und ziehen im Südwinter in die Tropen, um zu gebären – und zu fasten. Jetzt zeigt sich, dass diese Wale auch auf ihren Zugwegen häufig Krill oder Fisch jagen. Demnach beginnen ziehende Buckelwale bereits damit, ihre Fettreserven aufzustocken, bevor sie die eigentlichen Nahrungsgebiete in der Antarktis wieder erreichen. Quelle: Polar Biology Virus: Mehr Vorsicht Erstmals wurde das Vogelgrippe-Virus H4N7 in der Antarktis nachgewiesen, bei einem Riesensturmvogel. Das Virus von der Antarktischen Halbinsel wies genetische Ähnlichkeiten auf mit solchen Viren aus Nordamerika. Tatsächlich hielt sich der Vogel im Südwinter in der Nähe von Südamerika und den Falklandinseln auf. Quellen: Marine Biology und Scar PolarNEWS 15

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